Vorwort
Hallo, liebe Verwande, Bekannte, Freunde und Bergfreaks. Ihr werdet es kaum glauben, aber ich bin wieder
heil zurück von meinem 2003er Unternehmen - den Pik Lenin zu besteigen. In den Finger- und Zehenspitzen
kribbelt es zwar noch, aber Hauptsache es sind ja noch alle dran!
Angefangen hatte alles im Jahr 2002, als eine Gruppe Alzenauer (Alpinclubveteranen) erfolgreich den Elbrus
bezwangen. Und da dies so "einfach" schien, entschloß man sich gleich noch nach den Sternen zu greifen. Der
Pik Lenin sollte es sein - einer der billigsten 7000er und technisch eher unschwierig (Obwohl nach Russischer
Schwierigkeitskategorie eine 5A ---> schwieriger ist nur noch 5B, 6A und 6B!!!).
Mehrere Bergtouren standen von Frühjahr bis Mitte Sommer in den Alpen an, um eine gewisse Akklimatisation zu
erringen. Grand Paradiso - Monte Rosa - Mt Blanc waren nur einige der Kurztrips (Wochenendausflüge). Die
Ausrüstung wurde zusammengestellt, wieder Dinge aussortiert, dazugekauft, komprimiert. Auf Kletterausrüstung
verzichtete ich fast ganz (abgesehen von Gurt, 30m-Halbseil, 2 Eisschrauben, Pickel und Skistöcke). Wichtiger
waren mir da schon die warmen Sachen und der Schlafsack. Und wie sich herausstellte - hab ich aufs richtige
Pferd gesetzt - so hab ich außer den Skistöcken keine Ausrüstung benötigt!
Lange Rede Kurzer Sinn - nach einigen Tagen Urlaub mit Familie ging es endlich zusammen mit Jürgen (immerhin
schon 63 Jahre alt) am 29.07.2003 von Moskau aus los. :
Anreise (29.07.-31.07.2003)
Beim Flug nach Moskau gab es keine Probleme mit Übergepäck, da pro Person 30kg zugelassen waren und ich ja
mit meiner vielköpfigen Familie anreiste. In Sheremetjevo fing der Spaß dann jedoch an: ich hatte 37kg - also
17 kg Übergepäck, wofür ich etwa 1100 Rubel = 35 Euro bluten mußte. Mit halbstündiger Verspätung flogen wir
gegen 22:00 Uhr von Sheremetjevo I Richtung Süden nach Bishkek, wo wir 4:00 Uhr landeten. Wir staunten nicht
schlecht, als wir dort gleich von der sympathischen Julia deutschsprachig in Empfang genommen wurden,
umgehend unsere Weiterflugtickets nach Osh erhielten und, da noch Zeit war, gleich zum Frühstück eingeladen
wurden. Für alle Fälle tauschte jeder von uns noch 20 Euro (entspricht etwa 1000 Som), um Übergepäck beim
Weiterflug bezahlen zu können (15kg pro Person waren erlaubt - wir hatten zusammen 67kg). Erstaunlich, wie
billig - aber die 37kg Übergepäck kosteten nur 740 Som.
9:30 Uhr flogen wir dann positiv überrascht von unserem Reiseveranstalter nach Osh, wo wir nach einer Stunde
auch gut landeten. Dort wartete schon Elmira (die Cheftochter des Veranstalters) auf uns und begleitete uns
ins Hotel Intourist in Osh. Das Hotel war - naja - Dach überm Kopf und sogar warmes Wasser - ansonsten aber
abbruchwürdig. Für das 700.000-Seelen Dorf Osh war es jedoch eines der höchsten Hochhäuser am Platz. 14:00
Mittagessen - 15:00 auf dem Basar Trockenfrüchte, Süßigkeiten und Obst besorgt. Auf dem Rückweg zum Hotel
kamen dann noch 12 Flaschen Bier zum Gepäck - da nach Gerüchten zufolge das Bier im Basecamp 5 Dollar kosten
sollte. 4 Flaschen haben's aber nur bis ins Hotel geschafft - da wurden sie auch schon gekillt. Die
restlichen Flaschen waren für die Gipfel vorgesehen.
Am 31.07. ging es schon 6:00 aus den Betten - dann noch mal schnell die letzte Dusche genießen (für die
nächsten 3 Wochen), Frühstück und 7:15 Abfahrt mit einem "Barkas" - nur eben Russisch! D.h. nach etwa 2
Stunden Fahrt verloren wir das linke Hinterrad (alle Muttern hatten sich gelöst - falls welche dran waren!?).
Nach etwa 100m kamen wir zum Stehen - zum Glück noch auf der Straße, obwohl dies dem Bremssystem nicht sehr
gut bekommen war. Reparatur auf Russisch - Wagen auf ein par Flußsteine aufbocken, je 2 Muttern von den
anderen Rädern abschrauben und 4tes Rad wieder dranschrauben - fertig!
Als nächstes war die Bremsflüssigkeit
komplett ausgelaufen - also fuhren wir erst mal ohne Bremsen - im Gebirge eine echt feine Sache.
Etwas braune
Flüssigkeit in einem Kischlak erfüllte die Funktion der Bremsflüssigkeit und ein alter Lappen verhinderte
weiteres Auslaufen aus den zahlreichen Lecks. Nun kochte nur alle halbe Stunde der Motor - einige Eimer
Wasser schafften schnell die nötige Abkühlung. Das der Motor durch einen gesprungenen Kolbenring Unmengen an
Motoröl verschlang - schockierte schon niemanden mehr. Es gelang uns sogar - immer genügend Öl im nächsten
Dorf aufzutreiben - um stückchenweise vorwärtszukommen. Höhepunkt der beschwerlichen Fahrt war dann das
Mittagessen, welches wir in einer Jurte serviert bekamen. Immerhin solltet Ihr Euch mal vorstellen - wenn ich
im Wagen saß - dann war das Dach dort, wo meine Schultern waren. Eine Luke gab es nicht - also lag ich mehr
oder weniger in der Limousine. Bei den Feldwegzuständen - ganz beachtliche Leistung. Von Straßen kann man
eigentlich nicht reden - der Asphalt hat sich wahrscheinlich schon vor 10 Jahren von der Fahrbahnoberfläche
gelöst. Übrig blieb ein steiniger staubiger Wall, auf dem sich die Wagen in kürzester Zeit ins Jenseits
beförderten.
Wir hatten Glück - und kamen 19:15 im Basecamp an und wurden gleich mit Abendbrot begrüßt. Da ein Italiener, der mit uns anreiste Geburtstag hatte - gab es sogar Torte und Kuchen! Untergebracht waren wir in einem kleinen 2-Mann-Zelt. Das gesamte Lager bestand aus etwa 15 solchen Zelten, mehreren Jurten und Essenszelt und Waschzelt. Bach mit kristallklarem Wasser - direkt am Lager - allerdings im Bach lag ´ne ganze Menge Müll.