Was davor geschah

Pik Petrowskij - 4829m (01.08.2003)

Eigentlich hatten wir einen Ruhetag nach dieser beschwerlichen Anreise geplant, zumal das Wetter am Vortag auf nichts gutes schließen ließ - Es war stark bewölkt, oben schneite es sicher! Doch dann kam doch alles ganz anders:
Bei blauem Himmel standen wir schon gegen 7:00 auf. Nach einer halben Stunde wurden wir mit dem in Rußland üblichen Milchbrei und tollen 3 Spiegeleiern gestärkt. Nachdem wir unsere Rücksäcke ausgepackt und ein wenig unsere Sachen im Zelt verstaut hatten, entschieden wir uns, einen kleinen Ausflug zum Petrowskij zu wagen. Punkt 9:00 ging´s los am MAL (ehemaligen Internationalen Alpinistenlager) vorbei bis in eine der gegenüberliegenden Rinnen, durch die wir bis zum Grat des Petrowskij aufstiegen. Nach gut 1 Stunden hatten wir den kleinen Sattel am Grat erklommen und da wir uns noch ganz frisch fühlten, ging´s weiter über einen kleinen Pfad grataufwärts durch Geröll und Staub. Weiter oben wurde es dann zunehmend steiler und unser "Spaziergang" ging langsam in Kletterei über. Der Fels war stark verwittert. Daher mußten wir sehr vorsichtig klettern, um nicht Steinschlag auszulösen oder im brüchigen Fels abzurutschen. Gurte und Seil hatten wir leider nicht mit.

Endlich kamen wir in vereistes Gelände, wo wir unsere Steigeisen gleich an einer etwa 100m hohen Steilflanke ausprobieren konnten. Nur mit den vorderen Zacken der Steigeisen und mit Hilfe des Pickels kämpften wir uns aufwärts und staunten oben nicht schlecht, daß sich der Grat bis zum Gipfel noch weit über einen Kilometer hinzog. Oben auf dem Grat wurden wir dann von pfeifenden kleinen Windhosen überrascht, die ganze Schneebrocken und mittlere Steine aus dem Grat rissen und durch die Luft wirbelten. Da es aber leichtes Gelände war, setzten wir unsere Tour fort und erreichten den Gipfel schließlich so gegen 14:00 ohne weitere Probleme.

Inzwischen verabschiedete sich das schöne Wetter und starke Bewölkung zog auf. Deshalb hielten wir uns gar nicht lange auf dem Gipfel auf, sondern machten uns flugs auf den Rückweg. Ein kurzer Blick auf den unteren Teil der Aufstiegsroute zum Lenin ließ schon die Strapazen erahnen, denn nicht nur die Höhe mußte erklommen, sondern auch enorme Entfernungen zurückgelegt werden.

An der Eisflanke gab´s dann nur einen Gedanken - nur nicht abrutschen! Langsam kletterten wir runter und entschieden uns, auch die 2 Steilstufen im brüchigen Fels mit Steigeisen zu bewältigen. Dabei hatten wir bedeutend weniger Probleme als beim Aufstieg, wo wir mit den Händen und Füßen kaum festen Halt fanden. Das schönste Stück war sicher der letzte Abstieg vom Sattel bis ins Tal. Gerade im oberen Teil der Rinne konnte man sich im feinen Kies meterweit hinabrutschen lassen. Der Bach zwischen MAL und unserem Basecamp war durch das nachmittags stark zuhnehmende Schmelzwasser angestiegen, und so holten wir beide uns nasse Füße beim Überqueren. Kurz nach 18:00 kamen wir wohlbehalten im Basecamp noch rechtzeitig zum Abendbrot an. Später fing es an zu regnen, nachts schneite es sogar.

Ruhetag Basecamp - 3700m (02.08.2003)

Den Ruhetag hatten wir uns gut verdient, trotzdem ging´s schon 7:00 aus dem Schlafsack. 9:00 starten wir unseren kleinen Spaziergang zur Zwiebelwiese. Dauernd fing es an, leicht zu regnen, aber eben nur so schwach, daß wir uns zur Umkehr nicht entschließen konnten. Trotzdem kamen wir nach einer Stunde durchweicht an der Zwiebelwiese an, wo 2 andere Reiseunternehmer ihre Camps errichtet hatten. Wir versuchten auch noch, weiter aufzusteigen, durch den Regen war aber der lehmige Pfad so rutschig, daß wir nach kurzer Zeit umkehrten. Nachdem wir einen starken Regenguß in einem Essenzelt auf der Zwiebelwiese abgewartet hatten, kehrten wir in unser Basecamp zurück. Lesen - Schlafen - Essen - weiter hatten wir nichts zu tun.
Abends bereiteten wir noch die Klamotten, Lebensmittel und Ausrüstung zum Aufstieg ins Camp 1 am nächsten Tag vor. Wir entschlossen uns, die Rucksäcke selbst hinaufzutragen - was hier sehr ungewöhnlich war. Die meisten übergaben ihre Rucksäcke und ganze Fässer mit Proviant und Ausrüstung an Kirgisen, die dann mit Pferden alles über den Gletscher bis ins Camp 1 transportierten (aber 1kg für 1,30 Euro bei unserem Camp / der Normalpreis lag sonst bei 1 Euro). Da wir genügend Zeit hatten, nutzten wir diese Schinderei für die Akklimatisation, mußten aber dafür die Tour von Basecamp zum Camp 1 zweimal zurücklegen.

Fortsetzung