Anreise und Akklimatisierung

Anreise und Akklimatisierung

Zeitig am nächsten Morgen packte ich meinen Rucksack und startete in voller Montur Richtung Märjelesee. Zum Glück war das Unwetter der letzten 2 Tage wie weggezaubert.

Bei blauem Himmel und Sonnenschein ging's talaufwärts. Über einen kleinen Pfad gelangt man immer weiter hinauf bis auf einen Grat, von dem man tief hinunter auf die erbärmlichen Reste des Fieschergletschers schauen kann. Außer Unmengen Geröll ist an dieser Stelle nicht viel vom Gletscher übriggeblieben. Genau an dieser Stelle stieß ich auf eine ganze Herde Ziegen, die auf mich zugestürzt kamen um irgendetwas Fressbares zu ergattern.

An diesem Aussichtspunkt zum ehemaligen Fieschergletscher macht der Pfad eine scharfe Kehrtwende nach Westen und führt quer über den Hang, des öfteren kleine Gebirgsbäche überquerend, hinauf bis Märjelewang (2346m), einigen frühzeitlichen Steinhütten, die sicher nach wie vor als Ställe dienen.

Endlich flachte das Gelände etwas ab und die Wege wurden wieder etwas breiter. Schnell ging's am Stausee und dann quer durchs Gelände rechts am Märjelesee vorbei hinab zum Gletscher. Kurz vorm See traf ich die ersten erstaunten Leute. Unbeirrt suchte ich eine günstige Stelle, um auf den Gletscher zu wechseln. Und nachdem ich die erste Eiswelle hinaufgestiegen war, gönnte ich mir endlich eine Pause, um die Steigeisen auszupacken und anzuschnallen. Als dabei jedoch die Spannklammer eines Steigeisens abbrach (2 Nieten waren gebrochen), war guter Rat teuer. Mühsam entfernte ich die Reste der Nieten und opferte etwas Reppschnur von der Rucksackschnürung. Das dies keine Lösung war, wurde sofort klar, denn immer wieder auf dem Weg lockerte sich das Eisen. Trotzdem hoffte ich schon jetzt auf Hilfe von der Konkordiahütte. Anfangs querte ich den Gletscher in nordwestlicher Richtung, immer zwischen den unzähligen Spalten einige begehbare Eisbänder suchend.

Nach der ersten Moräne auf dem Gletscher wurde es zunehmend leichter und nachdem ich die 2. Moräne gequert hatte, wurde es zum gemütlichen Gletscherspaziergang. Nur der 30kg schwere Rucksack machte mir inzwischen zu schaffen. Eine kleine Treckinggruppe, die ich anfangs auf dem Gletscher traf, gab mir noch einige Tipps, wie ich weiter oben zu Konkordiahütte queren sollte. Und so ging's immer der 2. Moräne folgend den Aletschgletscher hinauf. Oft nutzte ich die zahlreichen großen Steine auf dem Gletscher, um darauf mal meinen Rucksack kurz abzusetzen und für ein paar Sekunden mein Kreuz zu entlasten.
Inzwischen konnte ich die Konkordiahütte, die einstmals auf der Höhe des Gletscherniveaus errichtet wurde, erblicken und querte immer auf die Hütte zuhaltend wieder zur 1. Moräne nach rechts. Um den vielen Spalten unterhalb der Hütte auszuweichen, querte ich dann direkt hinüber an den Gletscherrand und suchte im Geröll nach irgendeinem kleinen Pfad.

Schnell wurde ich fündig und gelangte auf ihm zu der kleinen Einstiegsleiter in den steilen aber sicheren Kletterpfad, der von Süden hinauf zur Konkordiahütte (2850m) führte.
Die ganze Zeit hatte knapp 3 Liter Wasser mitgeschleppt, doch in der festen Überzeugung, an der Hütte neues Wasser zu erhalten, meine Ressourcen nicht wieder nachgefüllt. Und auf dem Kletterpfad kurz vor der Hütte ging mir nun das Wasser aus. Oh, Katastrophe, bei der Hütte gab es absolut kein Trinkwasser (außer, man kaufte welches). Die Hütte war fast leer, aber natürlich mussten die par Hanseln in einem Zimmer übernachten. Aber das wichtigste, der Hüttenwirt half mir, mein gebrochenes Steigeisen wieder zu reparieren. Er ersetzte kurzerhand die Nieten durch zwei Schrauben und somit war wieder alles perfekt. Wegen der Wassernot gönnte ich mir ein großes Bier und suchte vergeblich unter den wenigen Bergsteigern nach Weggefährten rüber zur Finsteraarhornhütte.

Querung zur Finsteraarhornhütte