14.02.2008 Anreise nach Zinal

13:00 Uhr ging's gleich nach dem Mittagessen von der Arbeit noch mal schnell nach Hause und von dort direkt auf die Autobahn und über Hanau, Darmstadt, Karlsruhe, Basel, Bern, Fribourg, Montreux, Martigny nach Sierre am Ende der A9. Schon im Dunkeln erreiche ich die alte Abzweigung, die ins Zinaltal hinaufführen soll, allerdings ist sie durch einen Schuttwall gesperrt. Also fahre ich ein Stückchen weiter und frage in einem kleinen Restaurant nach. Auf Französisch erfahre ich das Zauberwort "Anniviers", was es auch immer bedeuten soll. Also, wieder zurück bis zum Kreisverkehr und dort die winzige Ausfahrt nach Dol. de Anniviers hinauf auf zur Brücke, über die Autobahn und wieder weiter Richtung Annievers. Nach endlosen Serpentinen komme ich endlich in Zinal an, hebe am Verkehrsbüro (gegenüber der Post) noch schnell 300CHF am Automaten ab und fahre weiter zum Ortsausgang. An der Abzweigung, wo es scharf nach links zurück zum Campingplatz geht, stelle ich mein Auto auf dem großen freiplanierten (kostenlosen!) Parkplatz ab. Höhe hier etwa 1640m, mit Auto geht's nicht höher. Ich gönne mir noch 2 volle Becher Rum-Tee und die restlichen Schokomilchbrötchen. Im Radio duselt französische Musik. Draußen ist es inzwischen bitterkalt, so dass in Kürze alle Scheiben gefroren sind. Ich höre noch ein wenig Musik bis Erinnerungen an längst vergangene Klettertouren auf der Krim wach werden. Nur war es dort ein wenig wärmer. Endlich überkommt mich ein leichter Schlaf, der ab und an von einem vorbeifahrenden Auto unterbrochen wird.


15.02.2008 Hüttenzustieg

Gegen 7:00 wird es langsam hell, und ich quäle mich aus meinem kuschelig warmen Lager im Auto in die Kälte hinaus. Schnell sind die Sachen gepackt, nur am Appetit hapert's noch. Naja, irgendwie stopfe ich mir dann doch 3 Bananen rein, und schon geht's gegen 8:00 los auf Skiern auf präparierten Wander-, Langlauf- und Skatingpisten talaufwärts. Wegen der vielen Varianten von Pisten ist es gar nicht so einfach, meinen Weg zu finden. Und als mich dann noch 2 Skiläufer einholen, verplappere ich mich und ziehe mit ihnen mit. Aber mit meinem Gepäck lies ich dann doch besser abreisen. Ein Blick auf mein GPS bringt mich schnell in die Realität zurück, denn ich war bereits etwa 100Hm falsch aufgestiegen. Also schnell wieder zurück und über eine kleine Brücke auf die richtige Hangseite auf einem kleinen Pfad links vom Bach hinauf.
Nur den Aufstiegspunkt kann ich nicht finden und beginne deshalb selbst zu spuren im steilen und unwegsamen Gelände. Ab und zu kann ich den schmalen, kleinen Pfad ausmachen, doch für einen Aufstieg mit Tourenski war dieser Pfad gänzlich ungeeignet. Ist der Steig nicht passierbar, weiche ich in den steilen Hang aus und versuche, durch Zick-Zack-Querungen weiter aufzusteigen.

Dichtes Gebüsch und Baumwerk behindern mich dabei erheblich. Meine Bedenken, dass ich mich gleich zu Beginn meiner Tour völlig verausgabe, verhärten sich. Zwischenzeitlich erreiche ich größere nicht verschneite Wald- und Grasabschnitte. Also Ski auf den Rucksack und weiter zu Fuß durch den steilen Hang. Nur der kleine schmale Pfad war völlig zugeschneit, jedoch für Ski zu steil. Ständig bleibe ich mit den Skiern auf dem Rucksack im Baumwerk hängen und beginne, diesen Weg schon zu verfluchen. Irgendwas war hier faul. Außer mir keine menschliche Seele, nur ab und an ein par Gemsen.

Endlich komme ich wieder auf die Ski und spure weiter hangaufwärts. Die pure Schinderei und es wird immer steiler. Also Ski wieder ab und mit den Stiefeln kleine Tritte in den harten Firn geschlagen. Nur mühsam komme ich voran. Endlich erreiche ich völlig ausgepumpt die Querung und von weitem erblicke ich schon die zahlreichen Spuren, zu denen ich nun zielstrebig rüberquere.

Inzwischen ballert mir die Sonne auf den Rücken. Das Wetter ist wirklich fantastisch. Jetzt wird es aber höchste Zeit, endlich die erforderlichen Höhenmeter zu machen. Hinauf zum Roc de la Vache bot sich bestens eine Gelegenheit. Endlos und bereits erschöpft kämpfe ich mich den Hang hinauf. Doch welch Überraschung im Sattel - fern am Horizont in schier unbezwingbarer Höhe, mein Tagesziel, die Hütte Cabana de Tracuit. Inzwischen war es 15:30 und das Tagesende rückte immer näher. Doch erst musste ich noch mal vom Sattel etwa 80Hm runter in den Talkessel des Tete de Milon (schon die Vorstellung an diese verlorenen Höhenmeter spürte ich wie Blei in den Waden).

Dennoch stapfte ich immer 50 Schritt vorwärts, um danach kurz auf die Stöcke gestützt nach Luft zu schnappen. Kaum gönne ich mir mal eine längere Pause, da die Sonne bereits bedenklich tief steht.

Und schließlich verschwindet sie hinter dem Alpenhauptkamm. Schnell wurde es immer kälter und dunkler. Nur gut, dass ich leicht der frischen Aufstiegsspur bis hin zum Sattel folgen kann. Vorm letzten steilen Anstieg zum Sattel und somit zur Hütte ist es ganz dunkel geworden. Doch nach wie vor kann ich der Spur im Mondschein folgen. Beim letzten Aufstieg hinein in eine Felsscharte am Sattel müssen noch mal die Ski runter, an einer Kette ziehe ich mich problemlos hoch und nach weiteren 5 Minuten erreiche ich die Hütte. 4 Franzosen erwarten mich schon mit heißem Tee. Doch am wohltuendsten empfinde ich die gemütliche Wärme vom alten Küchenofen. Mit letzter Kraft entledige ich mich der durchschwitzten Kleidung und meiner schweren Stiefel. Als ich die mufflig feuchten Socken ausziehe, wird mir wieder alles klar. Je eine schöne große blutige Blase ziert die Ferse meiner Füße. Naja, nach dieser Tortur ist für den nächsten tag ohnehin ein Ruhetag fällig. Den ganzen Tag über hatte ich außer einem Apfel und 2 Scheiben Salami nichts gegessen. Doch auch das Abendbrot wollte vor Erschöpfung jetzt nicht so recht rutschen. Dafür spendiere ich einen deftigen Rumtee und die Franzosen einen Becher Wein. Lange hält mich nichts mehr auf den Füßen und ich mache mir mein Nachtlager gleich unten in der Küche bereit und lege mich hin. Nach kurzer Zeit folgen auch die 4 Franzosen, die am kommenden Tag das Bishorn besteigen wollten.


Ruhetag und Besteigung