Anreise und Hüttenzustieg

16.02.2008 Ruhetag

In aller Frühe ziehen die Franzosen los, zwar ist es schon hell, doch die Sonne noch nicht draußen. Als alle weg sind, stehe ich auch auf, frühstücke die Reste vom Vorabend (Suppe) und beginne die verwüstete Bude mal gründlich aufzuräumen und auszufegen. Gerade, als ich damit fertig bin, kommen die Franzosen zurück. Noch bevor sie den eigentlichen Anstieg am Gletscher begonnen, brachen sie wegen zu harter und vereister Piste ab. Schöne Aussichten für meinen Versuch. Aber ich vertraue auf meine Steigeisen, die bisher jedem Firn bezwungen haben. Außerdem werde ich etwas später starten.

Inzwischen gesellen sich noch 4 Schweizer zu unserer Truppe, die bereits gegen 3:00 Uhr von Zinal gestartet waren. Sie sahen noch topfit aus und nach kurzer Beratung mit den Franzosen, verabschieden sie sich von ihrem Plan, sogleich noch das Bishorn zu besteigen. Dennoch starten 3 von ihnen zu einem kleinen Trainingsausflug über den Tutmanngletscher.
Als sie kurz darauf zurückkehren, steigen sie ab und machen aber noch einen kleinen Abstecher über den Col de Milon ins Nachbartal.

Inzwischen erreicht noch ein Schweizer die Hütte, fährt aber ebenfalls nach kurzer Verschnaufpause wieder zurück ins Tal hinab. Danach bin ich wieder ganz alleine und gegen Abend schwindet die letzte Hoffnung auf weitere Besucher.
Mein Rucksack ist gepackt. Bis auf meine 2 Füße bin ich fit. Mal sehen, wies am Morgen weitergeht. Die Nacht überstehe ich gut, auch wenn ich alle 2 Stunden mal raus bin, um einen Scheit Holz in den Ofen zu werfen. Dafür hielt sich die Glut bis zum nächsten Morgen.


17.02.2008 Besteigung

Eigentlich möchte ich nicht zu früh starten, da die Route lange im Schatten liegt und es wegen der klaren Verhältnisse draußen bitterkalt war. Gegen 7:30 halte ich es aber dann doch nicht mehr aus, bereite mir ein knappes Frühstück und versorge meine Füße, soweit dies überhaupt möglich ist. Da ich am Vorabend bereits alles vorbereitet hatte, bin ich schon gegen 8:15 abmarschbereit. Wegen der Kälte komme ich gut voran. Immer im Schatten des Bishorn quere ich den Tutmangletscher diagonal auf die andere Seite in Richtung Sattel. Dabei folge ich der Spur der Franzosen vom Vortag. Im Sattel erhasche ich endlich die ersten Sonnenstrahlen. Weiter geht es erst links, bald aber zentral auf dem breiten Gletscherband bergauf. Der Firn ist sehr fest und es hatten sich durch Verwehungen große Firnplatten gebildet. Da dies eine spätere Abfahrt mit den Ski erschweren würde, lasse ich die Ski bereits ziemlich weit unten zurück und wechsle auf Steigeisen. Das Gelände ist einfach, weiter oben kommen dann einige größere Spalten, die jedoch meist zugeschneit sind und auf dem festen Firn problemlos überschritten werden können. Unterhalb des Gipfelsattels entdecke ich Serpentinen sicher noch von zahlreichen Sommerbesteigungen. Unaufhaltsam treibt mich die Kälte hinauf. Endlich, kurz vorm Gipfelsattel (zwischen P.4135 und Bishorn) erreiche ich sonniges Gelände. Vom Sattel bietet sich ein überwältigender Blick auf das gigantische Weishorn. Fast jämmerlich erscheint das Bishorn davor.

Über eine kleine Schulter gelange ich bis vor den großen Bergschrund, umgehe diesen jedoch leicht auf rechter Seite. Allerdings ist es dort stellenweise vereist. Also noch mal volle Konzentration und den doch sehr ausgesetzten und luftigen Grat zum kleinen Gipfelplateau des Bishorn hinauf. Gut, dass ich meine kleine Eisaxt dabei hatte, sie gab mir die nötige Sicherheit ohne Seil die letzten Meter zu überwinden. Oben auf dem Gipfel habe ich ausreichend platz und fotografiere, bis mir die Finger erstarren. Nur das obligatorische Gipfelfoto will wie gewöhnlich nicht klappen.

Der Ausblick von hier oben ist grandios. Monte Rosa, Aletschgebiet und selbst der Mont Blanc lassen sich blicken. Nur die beiden im letzten Winter bestiegenen Gipfel Strahlhorn und Allalinhorn sehen von hier recht schmächtig aus neben der Dufourspitze, Weishorn und Mischabelkette. Mit der nötigen Vorsicht steige ich die 30m wieder hinab zur sicheren Schulter und nach wenigen Schritten stehe ich wieder sicher im dem Sattel.

Nach kleinem Picknick steige ich zügig denselben Weg wieder hinab. Nach kurzer Zeit erreiche ich meine Ski und fahre anfangs noch etwas unsicher über die harten und holprigen Firnplatten später dann aber sicher über die Weiten des Tutmangletschers wieder hinüber zur Hütte.

Hier erholen sich bereits 2 Schweizer, die jedoch nach kurzer Zeit wegen Höhenproblemen wieder ins Tal zurückkehren.
Wieder allein auf der Hütte trockne ich all meine Klamotten (besonders die Skistiefel) und lasse den Tag ruhig ausklingen. Beim Check meines GPS wird mir nun klar, warum seit dem Parkplatz alles Kartenmaterial fehlte. Scheinbar habe ich die Micro-SD-Karte mit allen Karten drauf beim Batteriewechsel am Parkplatz verloren.

Glücklicherweise waren aber die zuvor ausgearbeiteten und ins GPS geladenen Tracks (meine gesamte Tourenplanung) noch erhalten. Demnächst werde ich wohl noch 'ne Reservekarte mitnehmen. Zum Glück hatte ich aber ja auch noch meinen Kartenausdruck bei mir.


Hüttenabstieg