02.-03.01.2009 Anreise

04.01.2009 Aufstieg ins Machame Camp (3010m)

GPS-Streckendaten Strecke Höhe Höhenmeter Zeit
Machame Gate 83,25 km 1813 m 1321 Hm 12:00
Machame Camp 93,83 km 3009 m 2354 Hm 17:50
Differenzen 10,13 km 1196 m 1033 Hm 04:50 (1h Lunch)

Nach fast schlafloser Nacht stand ich früh am Morgen auf, machte mich etwas frisch und machte mich auf zum Frühstückstisch. Das Büffet sah etwas mager aus, naja, für den einen Tag würde es aber in jedem Falle reichen. Schnell steckte ich zwei Weißbrotscheiben in den altertümlichen Toaster (da passten an die 8 Scheiben Brot rein, wurden allerdings nur von einer Seite gebräunt), entschied mich für einige Ananasscheiben, Tee, Marmelade und etwas Gebäck. Bei der Marmelade musste man aufpassen, denn in den meisten kleinen Näpfchen schwammen abgesoffene Wespen. Da ich kein besonderer Liebhaber von Wurst und Käse am morgen bin (davon gab's rein gar nichts), war das Frühstück für mich ganz okay.
Schon im Garten hatte ich gesucht, irgendwo oben den Kili zu entdecken. Auf dem Balkon oberhalb der Frühstücksbereichs wurde ich dann fündig. Von dort hat man am Morgen einen schönen Blick auf den Kibo.

Nach dem Frühstück trafen wir den Vertreter der Reiseagentur und Anton. Es wurde noch mal gecheckt, was noch an Ausrüstung fehlte und was wir alles so noch bräuchten. Wir brachten unsere Taschen und Rucksäcke, von denen wir einige im Hotel abgaben, wo diese bis zu unserer Rückkehr verwahrt wurden. Das Gepäck für die Träger wurde zu dem vielen anderen Krempel in einen Kleinbus gepackt, mit dem wir dann alle zusammen nach Moshi fuhren. In einer Einkaufspassage (eigentlich waren die meisten Läden geschlossen, da ja Sonntag war), wurden wir sofort von verschiedenen Händlern umringt, die uns T-Shirts, Bilder, Geschnitztes, bunte Perlenarmbänder und anderen Plunder anboten. Eigentlich brauchten wir nur eine Sonnenbrille für Holger, der seine in Deutschland vergessen hatte. Irgendwie wurde ihm aber auf der Straße sogar eine angeboten und verkauft.
Weiter ging es durch Moshi zu einem Lebensmittelladen, von denen es eigentlich viele hier gab, aber wahrscheinlich Anton irgendwelche Beziehungen zu eben diesem Laden hatte. Jedenfalls bekamen wir dort Wasser (was Rainer und ich gar nicht brauchten, da wir uns bereits Leitungswasser im Hotel gefiltert hatten), und Anton besorgte noch einige kleine Lebensmittel für die Tour.
Eigentlich wollte ich noch einige Ansichtskarten, die im Hotel unverschämt überteuert angeboten wurden, aber am Sonntag war halt alles zu.
Nach langem Hin und Her kletterten alle wieder in den Kleinbus und auf ging's zum Machame Gate. Auf dem Weg dorthin sahen wir schon einige Afrikaner aufsteigen, die sich dort wahrscheinlich als Träger verdingen wollten. Gerade das letzte Stück bis zum Gate ist die Straße nicht asphaltiert und der Fahrer wies uns an sofort alle Fenster zu schließen. Mit dem Ende der Straße verschwanden wir dann auch sofort in einer undurchdringbaren Staubwolke. Keine Ahnung, wie es der Fahrer schaffte, nicht mit entgegenkommenden Fahrzeugen, die sich ebenfalls in solch einer Wolke befanden, zu kollidieren. Die Leute, die jedenfalls hier zu Fuß unterwegs waren oder in den kleinen Hütten neben der Straße lebten, konnten sich vor den zentimeterdicken Staubschichten nicht retten.
Am Gate angekommen wurde der Bus entladen, wir suchten uns eine schattige Stelle und beobachteten das chaotische Treiben. Da wurden Träger angeheuert, das Gepäck der angeheuerten Träger von Rangern überprüft (gewogen, denn jeder Träger durfte maximal nur 20kg mitnehmen), Touristen registrierten sich, einige Individualreisende versuchten irgendwie die für den Zutritt in den Nationalpark erforderlichen Guides anzuheuern - jedenfalls war es ein wildes Durcheinander.
Nach einiger Zeit ging ich mal zu Anton, der bereits eine lange Schlange von Trägern angeheuert hatte (insgesamt bestand unsere Begleitmannschaft aus 22 Afrikanern: 1 Guide, 2 Assistenten, 1 Waiter, 1 Koch und 17 Träger). Als er mir dies sagte, war ich erst mal geschockt, denn sofort war klar, das das in Dollar getauschte Trinkgeld (ich hatte noch knapp 100 USD) nie und nimmer reichen würde. Allerdings sollte ich beim Wiegen des Gepäcks dann weg gehen. Anton war immer bestrebt, das wir ja keinen engeren Kontakt zu unserem Begleitteam bekamen. Das war recht negativ, da wir so keinen Überblick bekamen, wer und ob überhaupt alle Träger zu uns gehörten.

Also ging ich wieder zu den anderen und wartete weiter ab. Irgendwann kam Anton und wir gingen alle gemeinsam zu einer kleinen Holzhütte, wo wir uns registrierten (nur die Touristen). Nach einem Gruppenfoto vorm Gate sollte es dann endlich losgehen.
Jeder nahm seinen Rucksack und trottete Anton hinterher, der zu Beginn das tempo vorgab. Am staubigen Wegesrand (anfangs war es eigentlich noch ein Fahrweg) lag immer mal ein Afrikaner, der damit beschäftigt war, Unmengen von sperrigen Gepäckstücken so zusammenzupacken, dass die sich überhaupt allesamt zusammentragen ließen. Teilweise konnten diese Träger einem ja richtig Leid tun, einige hatten zum Beispiel eine Kiste rohe Eier auf dem Rücken, 2 Campingstühle um den Hals gehängt und noch einen gewaltigen Bastkorb auf dem Kopf. Dabei konnten sich die glücklich schätzen, die nicht noch irgendwelche Tüten in den Händen tragen mussten. Bei vielen Gegenständen war es einfach unmöglich, diese bequem zum tragen zusammenzuschnüren.
Langsam, sehr langsam tappten wir in der Mittagshitze, zum Glück befanden wir uns aber im Schatten der Bäume (Urwald konnte man dies wohl noch nicht nennen), den Weg bergan. Da viele Leute, eigentlich mehr Träger, unterwegs waren und wir denen ständig ausweichen mussten, merkten wir gar nicht, wie schnell die Zeit verging. Der Weg war nicht anstrengend und wir hatten fast Bedenken, ob wir bei dem Tempo überhaupt das nächste Camp erreichen würden. Nach einer guten Stunde trafen wir wieder auf unsere Träger, die sich am Wegrand ausruhten.
Da gab's gleich die ersten bösen Worte von Anton, anfangs begriffen wir gar nicht worum es ging. Jedenfalls wurden im Nu die Campingtische und -stühle für uns aufgestellt, und wir mussten uns dann sofort hinsetzen. Nach einiger Zeit wurde das Mittagessen serviert. Zuerst gab es Suppe und Obst (Ananas und Mango), danach, wenn ich mich recht entsinne Reis und Hühnchen. Wir saßen 10m neben dem Weg im Urwald, an einem Tisch mit Tischdecke und aßen aus Tellern mit Besteck. Alles recht vornehm, während ständig andere Leute weiter Richtung Camp strömten. Da kommt man sich recht blöde vor, wenn man im Urwald so fein bedient wird.

Nach einem Tee konnten wir dann endlich weiter. Eine gute Stunde hatte der Lunch gedauert. Während wir schon auf dem Weg weiter nach oben waren, wurde von den Trägern der gesamte Mittagskrempel eingesammelt und nach einiger Zeit rannten die Träger wieder an uns vorbei.
Schleppend kamen wir voran. Der Weg wurde irgendwann etwas schmaler, aber immer noch bestens ausgebaut zum Wandern. Der Weg war eigentlich nie schlammig, vom Urwald und einigen Berichten hatte ich eigentlich schlimmeres erwartet (dass z.B. der Schlamm oben von den Waden in die Bergschuhe rein läuft). Immer wieder schaute ich mal auf mein GPS, doch es ging einfach nicht voran. Als wir nach Ewigkeiten endlich mal so einen Wegpunkt mit WC erreichten, wurde uns klar, was hier los ist. An verschiedenen Stellen am Wegrand waren Plumpsklos aufgestellt. An sich eine gute Idee, da ja doch eine ganze Menge Leute hier vorbeikommen.
Und da der Aufstieg doch recht eintönig war, orientierten wir uns sozusagen von Busch-WC zu Busch-WC.
Vom Urwald war ich eigentlich maßlos enttäuscht, anfangs war es nicht mehr als ein ungepflegter Park. Alles grau und grün. Kaum irgendwo mal eine Blüte und wenn, dann winzig klein. Tiere bekamen wir fast gar nicht zu Gesicht. Ab und zu mal ein kleiner Vogel und sonst nichts.

Weiter oben hatten wir dann aber doch noch Glück. Oben in den Bäumen raschelte es gehörig und tatsächlich, da oben waren Affen. Als die aber bemerkten, dass wir sie entdeckt hatten, machten sie sich einer nach dem anderen aus dem Staub. Weiter oben wurde der Urwald dann doch etwas uriger, die Bäume waren stark vermoost und der Wald wurde undurchdringbar dicht. Kaum zu glauben, wie man sich früher da mit Machete durchkämpfen musste. Auf unserem Weg war es jedenfalls bedeutend einfacher. Außerdem verlief der weg im Wald immer oben auf einem Bergrücken entlang. Deswegen war es wahrscheinlich auch nicht so nass, da das Wasser immer an den Seitenhängen ablaufen konnte. Diese Seitenhänge waren mitunter ganz schön steil, mit dem wuchernden Urwaldbewuchs eigentlich nicht überwindbar.
Kurz vorm Lager änderte sich der Wald, die urigen vermoosten Bäume wurden durch vermooste Sträucher abgelöst. Und mitten in diesen Sträuchern stießen wir endlich auf unser erstes Camp.
Das Küchenzelt stand schon und nachdem wir unsere Sachen in den Zelten verstaut hatten und uns die Hände in einer kleinen Schüssel mit heißem Wasser gewaschen hatten, bekamen wir im Essenszelt frisch geröstete Erdnüsse und Popcorn. Auch wenn es draußen nebelig und ungemütlich war (es sah ganz nach Regen aus und am Tage hatte es auch schon einige male getröpfelt) sah die Welt nun schon wieder viel besser aus. Zum Abendbrot genehmigten wir uns noch einen kleinen Schluck Rum in den heißen Tee und konnten sogar die Potsdamer überzeugen, von denen einige unter starken Kopfschmerzen litten. Der erste Tag war nicht grad anstrengend, trotzdem kam ich in der Nacht einfach nicht zur Ruhe und zum Schlafen.

05.01.2009 Aufstieg Shira Camp (new) (3845m)