10.06.2009 Anreise nach Pont (Ortsteil von Valsevarenche)
Nachdem es die letzten Tage fast ununterbrochen geregnet und weiter oben in den Bergen wahrscheinlich auch geschneit hat,
starte ich gegen 13:30 zu Siegfried, dann zu Thomas, Tim und Daniel. Das Auto ist mit nun 5 Personen, 5 großen
Tourenrucksäcken, Bergstiefeln, zusätzlichen Zelten, Matten, Schlafsäcken und Proviant brechend voll.
Nach mehrmaligem Umpacken haben wir aber alles verstaut und über die Autobahn geht's sogleich zum Frankfurter Kreuz
und von dort nach Süden Richtung Basel. Weit kamen wir nicht und steckten kurz nach Frankfurt im Stau fest. Auch vor
Karlsruhe wieder die üblichen Baustellenverzögerungen. Erst nach 18:00 Uhr passierten wir die Grenze ohne
Probleme.
Auf einer Raststelle hinter Basel musste sich unsere Jugend erst mal wieder mit einigen Wurstbrötchen stärken.
Mit dem Auto hatte ich auch wieder einige Probleme, beim Beschleunigen begann der Motor nun ständig zu stottern,
nach der Pause ging es dann aber wieder für eine Weile.
Nach Basel passierten wir Bern, Fribourg, Montreux und Martigny. Dort bogen wir auf die Straße zum Großen St.
Bernard ab. Wieder ging das Stottern los, deshalb noch mal kurze Pause, bevor es endlos bergan ging. Schon jetzt wurde
klar, dass wir es nicht mehr im Hellen schaffen würden. Deshalb beschlossen wir auch, die knapp 20 Euro für den
Tunnel zu investieren, um schneller nach Italien rüber zu kommen.
Nach dem wir die Abzeigung vor Aosta in Richtung Gressoney verpasst hatten, ging's erst durch einen endlosen Tunnel und
dann noch durch ganz Aosta durch. Bevor wird dann die kleine aber inzwischen gut asphaltierte Straße nach
Valsevarenche hinauffahren konnten, war noch mal eine kurze Auto-Ruhepause nötig. Im Dunkeln kamen wir dann
gegen 23:00 Uhr am Parkplatz in Pont an, fuhren jedoch noch mal ca. 1km zurück, um in einer kleinen Einfahrt
zum Bach neben dem Auto die Zelte aufzuschlagen. Inzwischen begann auch noch ein Regenguss, der die ganze Nacht
anhalten sollte.
11.06.2009 Aufstieg zur Biwakstelle
Obwohl wir nach der fast 10stündigen Autofahrt todmüde waren, konnten wir doch in der Nähe des rauschenden
und tobenden Baches kaum schlafen.
Dementsprechend zerknittert krochen wir am nächsten Morgen aus den Zelten. Ein Ranger bat uns zu verschwinden,
hatte aber wahrscheinlich wegen des Dauerregens auch etwas Mitleid mit uns. Schnell packten wir alles zusammen, stiegen
ins Auto und fuhren wieder zum Parkplatz nach Pont, wo wir uns unter den 2 Infohütten ein knappes Frühstück
genehmigten.
Nach wie vor regnete es, mal stärker und kurz darauf wieder nur leichter Nieselregen.
Am Parkplatz herrschte reger Betrieb, denn die Hütte wurde per Helikopter mit neuem Proviant und zahlreichen
Baumaschinen versorgt. Anfangs noch etwas unschlüssig, entschieden wir später dann doch, den Aufstieg zu
wagen, als oben ab und zu mal die neblige Wolkendecke aufriss.
Pünktlich zum Start gegen 9:30 Uhr hörte der Regen auf. In der kühlen feuchten Morgenluft überquerten wir die Brücke am Parkplatz und legten schnell den kurzen Weg bis zu einer Art lang gezogenem Schaf- oder Viehstall zurück. Danach begann der Aufstieg auf gut ausgebautem Wanderweg links hinauf in Serpentinen. Schon nach einigen Zick-Zack-Kurven kam die Sonne raus und es wurde merklich wärmer. Nach kurzer Zeit ließen wir die Baumgrenze unter uns zurück. Nach etwa einer Stunde erreichten wir die kleine Ruine am Weg und machten die erste Pause. Etwas weiter oben begannen die ersten Schneefelder über die ein Pfad führte, auf dem man ab und an mal im weichen Schnee einbrach. Der eigentliche Weg zur Hütte war hier oben noch tief verschneit. Je weiter wir aufstiegen, desto mehr schoben sich die Gipfel von La Tresenta und Ciarforon ins Blickfeld. Nach knapp 2½ Stunden erreichten wir pünktlich zur Mittagszeit die Hütte Vittorio Emanuelle II auf 2735m.
Bei erfrischendem Radler und Bier erholten wir uns erst mal von der Schlepperei vor traumhafter Bergkulisse. Immerhin hatte
jeder einen gut 20kg-Rucksack mit hochgetragen (meiner wog sogar ganze 32kg).
Noch war auf der Hütte wenig Betrieb, doch vom Hüttenwirt erfuhr ich, das an diesem Tage einige Mutige einen
wegen des schlechten Wetters doch recht späten Aufstieg zum Gipfel gewagt hatten.
Da wir ja Zelt, Matte, Schlafsack und Kochzeug dabei hatten, riskierten wir, etwas weiter hinauf in das kleine Seitental
oberhalb der Hütte zu steigen. Naja, dort oben war noch alles tief verschneit und nach einigem Suchen entschieden
wir, unsere Zelte in Mitten des verschneiten Tales aufzustellen.
Während Daniel, Tim und Thomas Wasser vom Moränenhang holten (Tauwasser), begann ich die obligatorische
Nudelsuppe zu kochen (2 Töpfe voll). Mit einigen reingeschnippelten Wienern wurde die Suppe noch angedickt und
schon machten sich alle darüber her.
Während ich mich im durch die intensive Sonne aufgewärmten Zelt ausruhte, probten Daniel, Tim und Thomas schon
mal ihre Steigeisen.
Inzwischen kämpften sich auch noch einige vom Paradiso rückkehrende Nachzügler durch den inzwischen
tiefen aufgeweichten Schnee herunter.
Die Rucksäcke für den Aufstieg am nächsten Morgen waren bereits gepackt. Als die Sonne endlich unterging
und es spürbar kälter wurde, legten wir uns schließlich schlafen.
Allerdings war dies in knapp 3000m Höhe wieder problematisch. Durch den erhöhten Ruhepuls und die
ungenügende Akklimatisation war es mehr ein Ruhen bis in die frühen Morgenstunden.