<-- Anreise und Biwakzustieg

12.06.2009 Aufstieg zum Gran Paradiso

Als wir früh aus den Schlafsäcken krochen, arbeiteten sich bereits einige Truppen auf der Moräne bergaufwärts. Nach knappem Frühstück schnappten wir uns unsere Rucksäcke und begannen den Aufstieg durch das kleine Tal hinauf Richtung Gletscher. Der am vorigen Tag noch tiefe weiche Schnee war fest gefroren, so dass wir zügig vorwärts kamen. Schnell erreichten wir den Gletscher (wegen des vielen Schnees war der Anfang gar nicht so recht auszumachen), umgingen einige Spalten und stiegen zur ersten Steilstufe empor. Hier kamen dann auch die anderen aufsteigenden Truppen von ihrer Moräne herüber und so reihten wir uns ein in den langen Gipfelstürmertross. Vor der Steilstufe legten wir Gurte an und banden uns ins Seil ein. Und so stiegen wir nun gemeinsam die Stufen im festen firn hinauf, alles ohne größere Probleme. Oben angekommen klinkte sich Siegi dann aber doch wieder aus, um sein eigenes Tempo gehen zu können. Also packte ich das Seil auch wieder ein. Der Firn war optimal, allerdings wehte eine steife Briese, die uns weiter oben arg zusetzen sollte.
Je weiter wir hinaufstiegen, desto stürmischer wurde es. Ständig peitschten uns Schneefahnen ins Gesicht, der lose Schnee verwehte außerdem in kürzester Zeit die Spuren. Trotzdem legten wir ab und an eine kurze Pause ein, um auf Siegi zu warten, dem die Höhe wahrscheinlich am Meisten zusetzte.

Endlos geht es über den langgezogenen Bergrücken hinauf, bis zu einem Plateau vorm eigentlichen Gipfelgrat. Hier legten wir eine letzte Rast ein und seilten uns noch mal an. Von hier an wurde der Aufstieg nun noch beschwerlicher, da im lockeren losen Schnee ununterbrochen gespurt werden musste. Trotz endlosem Staus vorm Gipfel war deren Spur schon lange wieder verweht. Anfangs im Zickzack weiter oben dann in direkter Linie stapften wir dem kleinen Sattel vorm Gipfel entgegen. Dort angekommen ließen wir schnell noch einige Leute von oben runter, stiegen zum Sattel hinauf und mussten hier noch mal warten, bis die letzten uns Platz auf dem schmalen Gipfelgrat machten. Über den Grat gelangten wir schnell zur Schlüsselstelle, einem breiten Felsblock, den man auf einer schmalen Felsleiste mit Steigeisen traversieren musste. Danach waren wir in wenigen Schritten an der Madonna auf dem Gipfel. Eigentlich wollte ich gern noch rüber auf den wenig höheren Felsgrat, wegen des starken Sturmes und Nebels, verzichteten wir jedoch darauf. So ging's dann auch zügig wieder an den Abstieg. Nach wie vor pfiff uns der Sturm spitze Eiskristalle ins Gesicht. Etwas weiter unten packte ich das Seil wieder ein und nun ging's via Autopilot nur noch nach unten.

Weiter unten ließ endlich auch der Sturm nach und es wurde spürbar wärmer. Der Schnee wurde immer weicher, und so brachen wir nun knietief ein, was den Abstieg auch nicht grad vereinfachte. Teilweise versuchten wir es mal auf dem Hosenboden, der nach wenigen Metern dann jedoch durchnässt war. Kurz nach 14:00 Uhr kamen wir ziemlich ausgepumpt wieder an den Zelten an, hielten uns aber hier gar nicht lange auf, packten alles zusammen und stiegen weiter bis zur Emanuelle II ab. Hier legten wir nun unsere wohlverdiente Pause ein, labten uns bei Speise (Nudelsuppe mit reingeschnippelten Würstchen und diesmal sogar mit Nachschlag) und Trank und genossen die warme Sonne und die umliegenden Berge. Während sich Siegi eine Übernachtung auf der Emanuelle gönnte, bauten wir etwas tiefer noch mal die Zelte auf einem Grashügel auf.
Bei allen war inzwischen die Luft raus. An einen weiteren Aufstieg zum La Tresenta oder Chiaforon war nicht mehr zu denken, ja es lag auch einfach noch zu viel Schnee. Wenn man bedenkt, dass einige hier noch mit Ski unterwegs waren (von Emanuelle bis zum Gran Paradiso war eine Skibesteigung ohne Probleme möglich), konnten wir mit unserer alpinen Besteigung ganz zufrieden sein.

13.06.2009 Abstieg und Rückfahrt

Am nächsten Morgen hatten wir schnell unsere Zelte zusammengepackt und alles wieder im Rucksack verstaut. Nach einer gutem Stunde erreichten wir wieder den Parkplatz unten im Tal. Vom Regen der ersten Tage war nichts mehr zu erkennen. Und so konnten wir sogar unsere nassen Zelte, die wir nach der 1. Nacht im Auto zurückgelassen hatten, noch trocknen. Nach einem Picknick starteten wir schließlich zur Rückfahrt. Die 20 Euro für den Tunnel an der Alpenüberquerung sparten wir uns und fuhren über den Grand-Saint-Bernard. Der war inzischen freigegraben. Teilweise führte die Straße durch gewaltige Schneefelder, wo rechts und links der Straße meterhohe Schneewände aufragten. Hier oben waren auch noch viele mit Skiern unterwegs.
Erschöpft kamen wir abends wieder in Alzenau an, wo wir grad mal vor 3 Tagen unsere Reise gestartet hatten.