<-- Anreise und Hüttenzustieg
25.07.2008 Hohlaubgrat - Allalinhorn
Die Nacht war wieder viel zu kurz, gegen 3:00 kam der erste Weckdienst, anfangs dachte ich, das Wecken
galt uns. Doch ein anderer Trupp wollte scheinbar Richtung Strahlhorn und wegen der langen
Gletscherhatsch noch etwas früher los.
An Schlafen war nun natürlich nicht mehr zu denken. Das Gepolter und Geschepper dauerte fast bis zu
unserer Weckzeit an, und so entschloss ich mich, gleich mit aufzustehen. Ich schnappte meinen Rucksack,
verstaute alle anderen Klamotten in meinem Schlafsack (denn wir sollten das Zimmer komplett räumen) und
brachte alles in den Schuhraum unten. Provisorisch verstaute ich hier alles und begab mich zum
Frühstück. Ich verdrückte einige Brote mit Marmelade und genoss die kleine Schüssel Tee. Ansonsten war
das Frühstück eher dürftig, was wohl auch mit den Wasserproblemen zusammenhing.
Als ich schon fast fertig war, trudelte auch unsere Jugend ein. Da es inzwischen im Frühstücksraum recht
voll wurde, machte ich Platz und verschwand wieder im Schuhraum. Hier packte ich nun alles Gepäck, was
auf der Hütte verbleiben sollte (Zelte, Schlafsäcke, Kocher, Töpfe usw.), zusammen und lagerte dies im
kleinen Trockenraum ein. Danach begann ich meine Füße zu präparieren (prophylaktisch zu verbinden, um
mir nicht auf der langen bevorstehenden Tour die Füße wund zu reiben). Danach zog ich schon mal den
Gurt an, kramte meine Stirnlampe hervor und stellte schnell fest, dass die Akkus bereits fast leer
waren. Einige Zeit musste ich noch auf die anderen warten, die ihren Kram auch noch sortieren und im
Trockenraum verstauen mussten. Danach begann das Gesuche: "Wo ist mein Gesichtsschutz (Maske)? Wo ist
meine Stirnlampe? ...". Irgendwann hatten wir's dann aber endlich geschafft.
Draußen war es noch finster, Richtung Strahlhorn und auch zum Hohlaubgrat konnten wir das schwache Flackern der Stirnlampen anderer Trupps erkennen. Es pfiff ein bissiger kalter Wind. Noch schnell ein Photo vorm Start und dann schlossen wir uns schnell noch einer anderen Truppe an, die uns das Suchen des kleinen Pfades runter auf den Hohlaubgletscher abnahm. Dort kamen wir auch recht schnell an, zweigten dann auf gut sichtbarer Spur nach rechts hinauf auf den Hohlaubgrat ab, während die anderen in Richtung Strahlhorn weiter geradeaus den Hohlaubgletscher querten. Es war recht frisch, der Firn auf dem Gletscher schön hart und so ginge es etwas oberhalb der Spaltenfelder über den Gletscher auf die andere Seite und dann einen kurzen Anstieg auf den Grat hinauf (knappe Stunde von der Hütte).
Hier begann nun die leichte Blockkletterei über die zahlreichen Felsblöcke am Grat. Trotzdem legten wir
unser Gletscherseil an und begannen uns einen Weg durch diesen langen Steinhaufen zu bahnen. Inzwischen wurde es
auch langsam heller und die letzten Dunstwolken der Nacht verzogen sich.
Sobald wir eine Schulter des Grates erklommen hatten, tat sich eine neue auf. Mal wichen wir etwas nach rechts vom
Grat aus, größtenteils ging es aber immer direkt oben auf dem eigentlich breiten Grat bergauf. Nach einer weiteren
Stunde erreichten wir endlich den Firngrat, wo wir erst mal eine kleine Verschnaufpause einlegten. Hier zogen wir
unsere Steigeisen an und weiter ging es mit unserer 5er-Seilschaft aufwärts.
Eine weitere Stunde mühten wir uns bis zu dem kleinen Sattel (auf etwa 3520m) vor der letzten Schulter hinauf. Inzwischen pfiff ein eisiger Wind über den Grat, der scheinbar immer stärker wurde. Dafür war kein Wölkchen am Himmel. Bereits vom Grat hatten wir eine phantastische Sicht auf das benachbarte Strahlhorn und auf die Mischabellkette mit Täschhorn, Dom und Nadelspitze. Auf dem Nachbargrat konnten wir die Station Mittelallalin erkennen.
Nach kurzer Pause ging es weiter, da es einfach zu kalt wurde. Der Anstieg hinauf auf die letzte Schulter wurde nun
etwas steiler und inzwischen machte sich auch die Höhe bemerkbar. Nach kurzen Stücken legte ich immer mal
eine kurze Pause ein, bevor es wieder ein kleines Stückchen weiterging. Da wir 3 Seilschaften vor uns hatten,
ließen wir uns bewusst etwas Zeit, damit es vor der Kletterstelle nicht zu einem Stau kommt.
Als wir die Felsstufe unterhalb des Gipfels (auf etwa 3960m) erreichten, kletterte gerade die letzte Seilschaft hinauf. Links von dem Riss befanden sich 2 alte Haken und eine etwas zuverlässigerer Bohrhaken. Mit einer großen Bandschlinge baute ich eine Station, dann holten wir das Vollseil raus und tauschten es gegen das kürzere und dünnere Gletscherseil.
Thomas übernahm als zweiter in unserer Seilschaft meine Sicherung, während die anderen noch verschnaufen
konnten. Vorsichtig hangelte ich mich nach rechts in den Riss, nutzte die Steigeisen an den kleinen Vorsprüngen
der Felsplatte und kletterte auf der rechten Kante vom Riss nach oben bis zum nächsten Haken und weiter bis zur
wackeligen Stange, die aber scheinbar noch gut genug verankert ist. Von dort geht's weiter auf ein kleines verschneites
Dach und anfangs etwas rechts haltend bis unter die nächste Wand. Unterhalb der Wand quert man nach links zum
nächsten Haken (hier hing bei uns ein altes Fixseil). Von hier holte ich den Rest unserer Truppe herauf. Sobald
Thomas und Tim als dritter oben waren, übernahm Tim wieder meine Sicherung und Thomas die Sicherung von Dennis
und Daniel.
Die Kletterei ist an sich nicht schwierig, allerdings teilweise steil und die verschneiten Felsplatten erschweren
das Finden sicherer Tritte. Von der Station ging's weiter gerade hinauf bis auf die Höhe des stark
überhängenden Felsblockes auf der rechten Seite (Sicherungsstange, hier endete das Fixseil). Nun querte
ich unterhalb des überhängenden Felsblocks nach rechts bis zum nächsten Haken. Da meine Expressschlingen
knapp wurden, wartete ich ab, bis unten alle Mann beisammen waren und holte dann Thomas nach, der mir die
eingesammelten Schlingen brachte. Sobald auch Tim wieder zu mir aufgeschlossen hatte, konnte ich weiterklettern.
Inzwischen funktionierte unsere Sicherung schon ganz passabel, was bei 5 Mann in einem Seil gar nicht so einfach ist.
Über die letzten verschneiten Felsstufen kletterte ich zum letzten Hacken hinauf, danach geht es auf einem
Firngrat weiter. Hier wurde mir klar, das das Seil bis zum nächsten Absatz unterhalb der letzten Felszacke
nicht mehr reichen würde, und so holte ich Thomas über den Pickel gesichert erst mal nach. Dann kletterten
wir alle gleichzeitig am Seil bis zum Absatz unter der letzten Felszacke hinauf (auf etwa 4010m). Kurz vorm Gipfel
gönnten wir uns hier eine letzte Verschnaufpause. Hier hat man Ruhe vor dem Massenandrang auf dem Gipfel, ist
vor dem Wind geschützt und hat einen herrlichen Ausblick.
Nach wenigen Metern erreichten wir den gut ausgetretenen Gipfelgrat. Oft muss man hier anstehen, um zum Gipfelkreuz zu gelangen, solch ein Andrang herrscht hier oben. Wir hatten aber Glück und konnten gleich zum Kreuz rüber. Für Dennis war dies der erste 4000er, für die anderen immerhin schon der zweite. Ich stand nach einer Winterbesteigung nun schon zum zweiten Mal hier oben.
Der Abstieg über den Normalweg hinunter zum Feejoch und weiter zum Skigebiet an der Mittelallalin-Station ist recht unspektakulär dank gut ausgetretener Wege. Kurz vorm Skigebiet mussten wir noch über eine kleine Spalte springen, was aber keine Probleme bereitete. Als wir an der Bahnstation ankamen, spürten wir aber dann doch die Erschöpfung. Da waren wir dann schon knapp 10 Stunden unterwegs. Etwas Glück hatten wir bei der Bahn, da es oben keine Tickets gab, konnten wir kostenlos bis Felsskin mitfahren.
Von Felsskin ging es nun wieder rüber bis Egginerjoch durch tiefen sulzigen Schnee, der mir arg zu schaffen machte. Und von dort weiter bis zur Britaniahütte.
Kaputt und noch etwas unentschlossen, holte ich meine Isomatte raus und machte es mir in der Sonne erst mal bequem.
Untätig ruhten wir uns aus und suchten nach einer Lösung, wo wir nun unsere Zelte aufschlagen sollten. Nach
2 Stunden ohne Entscheidung, beschlossen wir dann, all unsere Sachen zu schnappen, und wieder rüber zum
Egginerjoch zu queren, wo bereits einige Zelte standen. Also schleppten wir unsere gesamte Ausrüstung wieder da
rüber, bauten unsere Zelte auf und kochten uns zwei große Töpfe Nudelsuppe mit vielen Wiener
Würstchen drin. Sogar Schmelzwasser gab's in der Nähe.
Schnell packte ich noch den Rucksack für den nächsten tag und verkroch mich ins Zelt. Die Nacht war ruhig
und erstaunlicherweise konnte ich sogar hier in gut 3000m Höhe gut schlafen.